Ein etwas längeres "Über mich"

Ich nenne diesen Eintrag einfach mal eine Einführung, und dementsprechend wird er wohl auch etwas länger, aber keine Sorge, das wird nicht so bleiben.
An anderer Stelle hatte ich bereits einen Blog, der aber fast vollständig auf den Aspekt der blinden Fotografin ausgelegt war. Man konnte dort für sich als blinder oder sehbehinderter Mensch Tipps zum Fotografieren mit allen möglichen und unmöglichen Geräten finden, und auch für Sehende war der eine oder andere nützliche Hinweis dabei.
Nun muss ich aber zugeben, und das ist meiner Psyche zu schulden, länger an einem Thema zu bleiben ist für mich fast unmöglich. Ich stürze mich fast manisch, fast, nein tatsächlich manisch in eine Sache hinein, lerne sie, perfektioniere sie, so weit ich eben kann, und irgendwann sind die Herausforderungen für mich einfach nicht mehr da, ich langweile mich, und schon kommt das nächste.
Ich habe in den letzten 1 1/2 Jahren das Fotografieren mit der DSLR gelernt, bin dann umgestiegen auf das Keyboarden, habe Querflöte spielen gelernt und schließlich einen Roman verfasst.
Zugegeben zählt die Sache mit dem Buch kaum, da ich seit meinem Abi und dem Germanistikstudium immer mal wieder Texte verfasst habe, unter anderem auch Gedichte und Kurzgeschichten. Und wenn einen die Manie im Griff hat, kann man Glück haben, und es kommt eine Geschichte heraus, die dann eben doch mal für 500 oder mehr Seiten reicht.
Ähnlich ist es mit dem Fotografieren, das ich schon 2011 das erste Mal in Angriff genommen habe, damals noch mit der Bridge und einer Kompakten.
Die beiden Dinge habe ich also eher weitergeführt und nicht neu begonnen.
Natürlich bin ich in keiner dieser Tätigkeiten auch nur ansatzweise eine Meisterin, aber es verdeutlicht vielleicht, warum auch ein Blog über nur ein Thema für mich keinen Sinn macht.

Bevor ich diesen Blog hier eingerichtet habe, habe ich den Fehler begangen, mir mehrere Artikel dazu anzuschauen, wie man einen Blog führen und seine Artikel schreiben und layouten sollte, um möglichst Blogmillionär zu werden.
Nach den ersten fünf Artikeln habe ich mal tief geseufzt, nach zehn den Kopf geschüttelt und nach fünfzehn genervt den Laptop zugeklappt.
Sicher hat jeder dieser Ratgeber irgendwo nützliches und fundiertes zu sagen, aber ich persönlich habe nicht vor, hier eine Wissenschaft aus dem Bloggen zu machen.
Natürlich mögen viele diese informationsreichen Blogs mit speziellen Einträgen zu sämtlichen Themen, aber ich mag es etwas menschlicher. Ich mag Meinungen, Erlebnisse, Gedanken.
Suche ich zu einem Thema Infos bei Google, werden mir zig Blogeinträge ausgeworfen, und egal, was man schreibt, irgendwo hat schon einmal jemand drüber geschrieben, mehr oder weniger kenntnisreich.

Das Layout erklärt sich bei mir von selbst. Sicher wird auch mal das eine oder andere meiner Fotos den Weg hierher finden, aber vielleicht ist es logisch, dass ich mir nicht bei jedem Artikel die Mühe machen möchte, am besten mit html herum zu stylen. Immer wäre ich auf eine visuelle Nachkontrolle angewiesen, und das ist es für mich einfach nicht.
Also, sollte sich jemand wirklich hierher verirren, kann ich nur hoffen, dass das spartanische Layout ein bisschen übersehen oder mir verziehen wird.

Dass ich den Blog als "blinde Fotografin" gestoppt habe, hatte auch noch einen anderen Grund.
Als erstes hatte ich bei Beginn eine Facebookseite mit meinen Fotos angelegt und in der Beschreibung kein Wort über meine Behinderung verloren. Dann kamen die Leute auf mich zu und meinten geschlossen, ich müsse das doch unbedingt erwähnen.
Ja, und dann? Ich bin dann auf der Schiene gefahren und hatte nur ein Resultat. Zweifel, ob die Menschen meine Bilder gut fanden, weil ich als Blinde sie geschossen hatte, oder einfach weil sie gut waren.
Ersteres hat mich die ganze Zeit gewurmt. Es gibt blinde Menschen, die ebenfalls fotografieren und sich damit auch in den Medien präsentieren, teils auch mit Motiven und in einer Qualität, zu der ich nichts näheres sagen möchte. . Jeder, wie er glücklich wird, aber je mehr Zulauf ich bekam, desto größer wurde mein Wunsch, das "blind" vor dem Wort "Fotografin" wieder wegzubekommen.
Inzwischen ist das illusorisch, aber damit muss ich eben dann leben.
Ich habe lange darüber nachgedacht, warum ich mich nicht in's Rampenlicht stellen und für etwas feiern lassen möchte, dass ich doch nach weltläufiger Meinung mit meiner Behinderung gar nicht können oder machen dürfte.
Und irgendwann war es für mich klar.
Mein Leben wird nicht von meiner Behinderung dominiert. Für einen Menschen, der gesundheitlich keinerlei oder nur wenig Kümmernisse hat, nimmt die Blindheit natürlich einen deutlich höheren Stellenwert ein.
Aber ich habe, wie in meinem Profil erwähnt mit meiner Psyche deutlich mehr zu tun, als das mit meinem Körper der Fall ist.
Ich war in psychotherapeutischen und psychiatrischen Kliniken, ambulant in Therapie, und der Besuch bei'm Psychiater ist auch heute noch ein fester Bestandteil meines Quartals. Ich bin schon zu hoch geflogen und zu tief gefallen, habe geliebte dinge und Menschen verloren, die mir nur geschadet haben, und habe im letzten Moment Menschen und Dinge gefunden, die mir wieder auf die Füße geholfen haben.
Wenn ich nicht aufpasse, gerät mein Leben eben ein bisschen durcheinander, und wenn man es mit Galgenhumor betrachtet, ist meine Blindheit sogar eine Konstante. Hat doch was, ne?

Was ich damit sagen will ist, dass ich, und ich betone, dass ich damit wirklich nur für mich spreche, Faktoren in meinem Leben sehe, die mich deutlich mehr behindern und gefährde  n, als es bei meiner Blindheit der Fall ist.
Wer das hier liest, selbst betroffen ist oder jemanden kennt, den es betrifft weiß vielleicht, was ich meine.
Und wenn mich die Menschen heute fragen, wie es kommt, dass ich so gut mit meiner Blindheit klarkomme, kann ich nur sagen, was ich natürlich nie tue: "Ich genieße einfach die Tage, an denen die Blindheit mein einziges Problem ist."

Der eine oder andere liest hier vielleicht Selbstmitleid heraus, aber eigentlich meine ich es genau gegenteilig.
Da gibt es eben diese schlechten Phasen. Augen zukneifen, Nase zuhalten, Zähne zusammenbeißen und losrennen.
Und es gibt gute Phasen.
Hinsetzen, Augen auf, durchatmen und genießen.

2 Kommentare 28.2.16 17:02, kommentieren